Konzertreise 2016, Chorfestival

Text: Dominik Rehm, Fotos: Aurel Salzer

Ein Höhepunkt der Reise war die Teilnahme am „Nordic-Baltic Male Choir Festival“ in Reykjavík, bei dem wir neben 22 Männerchören aus dem gesamten Nordischen Raum als einziger nicht-nordischer Gastchor vertreten waren.

 

In diesem Jahr fand das Festival zu Ehren des 100-jährigen Jubiläums des Männerchors Fóstbræđur statt, dessen Sänger uns in ihren Familien gastfreundlich aufnahmen, was uns einen direkten Einblick in das Leben auf Island bescherte. Vielen Dank dafür.

Eindrücklich präsentierte sich uns das neue Konzerthaus Harpa, wo das Festival stattfand: erst vor wenigen Jahren eröffnet, gilt es mit seiner spektakulären wabenartigen Glasfassade direkt am Hafen als neues Wahrzeichen der Stadt Reykjavík. Wie die Skyline mit den beliebigen Glasbauten, wurde auch das Harpa mit virtuellem Geld finanziert. Als im Jahre 2008 ganz Island wegen dem Bankrott der drei grössten, völlig aufgeblähten Banken in eine schwere Wirtschaftskrise stürzte, wurde die Fertigstellung der Harpa dank Staatshilfen durchgezogen.

 

Das Innenleben mit imposanten Freitreppen und Galerien faszinierte vor allem durch die verschiedenen Konzertsäle unterschiedlicher Grösse und von hervorragender Akustik, die sich anhand flexibler Filzwände und Wandklappen dem jeweiligen Musikstil anpassen und vollautomatisch optimieren lassen. So erklang unser Gesang in einem trockenen Konzertsaal mit einer überraschend angenehmen Akustik, die sonst nur in Kirchengebäuden zu finden ist.

 

In kurzen Konzerten von je 30 Minuten präsentierten sich die Chöre den anderen Sängern, man konnte einander zuhören und voneinander lernen. Aussergewöhnlich war für uns auch der Austausch mit gleichaltrigen Sängern studentischer Männerchöre aus Norwegen und Schweden, die zwar in feinem Zwirn und Studentenmütze, aber dennoch mit jungem Klang wie wir dem angestaubten Männerchorimage einen neuen Anstrich verpassen.

 

Der Wettbewerb unter den Chören stand auf der diesjährigen Reise nicht im Fokus, jedoch hatten die Organisatoren des Festivals nach nordischer Tradition einen Quartettwettbewerb ausgerufen. Sänger in Formationen von 3 bis 8 Sängern waren dazu eingeladen, in einem 10-minütigen Auftritt ihren solistischen Gesang einer Jury zum Besten zu geben.

 

Auch wir stellten uns der Herausforderung und traten mit zwei Formationen gegen 11 andere Ensembles an. Die Freude war grenzenlos, als wir beim abschliessenden Gala Dinner in der Siegerehrung erfuhren, dass unser „Tod von Basel“-Quartett (Benedikt Zumsteg, Emanuel Barth, Dominik Rehm, Gregor Caprez) den ersten Platz im Quartettwettbewerb ersungen hatte, was die Vertreter des Nordischen Sängerbundes dazu bewog, laut über eine Aufnahme der Schweiz in ihre Vereinigung nachzudenken.

 

Im Abschlusskonzert wurden schliesslich alle Chöre zu einem gemeinsamen 1000 Mann starken Chor vereint, der den grossen Konzertsaal mit Stücken der skandinavischen Männerchorliteratur in testosterongeschwängertem Fortissimo zum Klingen brachte und uns einen würdigen Abschluss des Festivals bescherte.

 

 

Mit der freundlichen Unterstützung von:

E.E. Zunft zu Hausgenossen

Schüller Stiftung