Konzertreise Baltikum 2014, Riga - Musica Sacra

Text: Julian Jaros, Fotos: Brigitte Fässer und Gianni Horst

Die zweite Hälfte unserer Tournée stand unter einem anderen Stern, denn Riga war der Austragungsort der Olympischen Spiele des Chorsingens, der sogenannten „World Choir Games 2014“. Die komfortable Busfahrt von Tallinn nach Riga war gleichbedeutend mit diesem grundlegenden Wechsel unserer Baltikumreise. Wo das Laulupidu-Festival für Herzlichkeit, Freude und Volksfest stand, kam nun der kompetitive Aspekt ins Spiel.

 

Selbstverständlich war auch in Riga die Stimmung sehr gut, und wir genossen den Austausch mit der Lokalbevölkerung und den ausländischen Chören, die von überall auf der Welt hergereist waren. Eine gewisse Spannung und Erwartung liess sich jedoch nicht abstreiten, schliesslich sind die Männerstimmen Basel vor zwei Jahren an eben diesen „World Choir Games 2012“ in Cincinnati (USA) schon erfolgreich gewesen.

Damals wie jetzt nahmen die Männerstimmen Basel in zwei Kategorien teil: „Musica sacra“ und „Male Choirs“, wobei letztere Kategorie in den USA gewonnen wurde. Die Frage nach dem potenziellen Verteidigen dieses Titels war sicherlich in allen Köpfen präsent, auch wenn dies offiziell nicht das unbedingt zu erreichende Ziel war.

 

Vorerst waren wir aber mit der Kategorie „Musica Sacra“ beschäftigt. Wir feilten eifrig an Details von unserem Programm, welches die folgenden Lieder umfasste:

- Haec est vera fraternitas von Jacob Handl (1550-1591)
- Adspice Domine von Felix Mendelssohn (1809-1847)
- Psalm 121 von Gion Antoni Derungs (1935-2012)
- Spasenie sodelal von Pavel Chesnokov (1877-1944)

 

Ein Evaluationsauftritt vor einer Jury zum Test hat uns den letzten Schliff gegeben, so dass wir guten Mutes in dieser schwierigen Kategorie antraten. Wo die Männerstimmen Basel vor zwei Jahren mit 82 Punkten (Goldmedaille) auf den 12. Platz kamen von 24 teilnehmenden Chören, waren nun mehr als 40 Spitzenchöre gemeldet. Zudem waren wir hier auch einer der seltenen reinen Männerchöre, was in Sachen Klangfarbe und -vielfalt, Stimmumfang und vielleicht auch optisch wohl eher kein Vorteil war gegenüber den gemischten Chören.

 

Der Auftritt gelang uns sehr gut, trotz der Nervosität. Da wir in den letzten 4 Monaten viele Neuzugänge hatten, wussten wir noch nicht genau, wie der Chor mit Druck umgeht. Umso mehr waren wir erleichtert, eine hervorragende Leistung geliefert zu haben – ein grosses Bravo speziell an alle neuen Sänger! Das gute Gefühl wurde zwei Tage später an der Preisverleihung bestätigt:

 

92 Punkte (Goldmedaille), vierter Platz insgesamt, und damit bestplatzierter europäischer Chor sowie bestplatzierter Männerchor in der Kategorie „Musica sacra“!

Zum Vergleich: der gemischte „Stellenbosch University Choir“ mit ihrem Dirigenten André van der Merwe, welcher seit Jahren zahllose Wettbewerbe gewann, war nur 3 Punkte vor uns auf dem ersten Platz. Dank einer massiven Steigerung seit Cincinnati 2012 nun eindeutig Teil der Weltspitze zu sein - das hat unsere Erwartungen übertroffen! Herzliche Gratulation an den verdienten Gewinner der Kategorie! Die Südafrikaner sind zur Zeit das Mass der Dinge bei den gemischten Chören.

 

Den Schwung dieses exzellenten Einstiegs in den Wettbewerb wollten wir unbedingt beibehalten für unseren zweiten Auftritt, diesmal in der „Male Choirs“-Kategorie.

 

Mit freundlicher Unterstützung durch:
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