Der Chor


MÄNNERSTIMMEN BASEL

Sieht man die Männerstimmen Basel mit ihren Knickerbockern und Hosenträgern, wähnt man sich im falschen Jahrzehnt, wenn nicht gar im falschen Jahrhundert. Hört man Sie aber singen, kommt manch einer nicht aus dem Staunen heraus.

Zugegeben: Ganz selbstverständlich ist es nicht, dass sich Männer zwischen 18 und 40 für Chorliteratur begeistern und ein breites Repertoire aus Renaissance, Romantik, Volksliedgut und zeitgenössischer Literatur stilgerecht und mit grosser Inbrunst interpretieren.

 

Dass dieser bunt gemischte Haufen damit aber einen Nerv trifft, beweisen die zahlreichen Preise, die er seit der Gründung 2008 gewonnen hat: Beispielsweise der unerwartete Sieg in der Kategorie „Männerchöre" an den World Choir Games in Cincinnati 2012, „Competition Champion choir" und „First Price 40 voices and under" am Cornwall International Male Voice Choral Festival 2015 und zuletzt der erste Preis in der Kategorie Männerchöre, der zweite Preis in der Kategorie Geistliche Musik und die Wahl zum besten Chor des gesamten Festivals bei Cracovia Cantans 2017 in Krakau.

 

Dabei gehen bei den Männerstimmen höchste Konzentration und ausgelassenes Feiern immer Hand in Hand. Wie genau die beiden Dirigenten Oliver Rudin und David Rossel da die Balance halten, bleibt ihr Geheimnis, denn es wird vermutet, dass sich dahinter auch ihr Rezept zum Erfolg verbirgt.

 

Ein solches Projekt entsteht natürlich nicht von ungefähr. Gegründet wurde der Chor 2008 von ehemaligen Sängern der Knabenkantorei Basel. Auch heute noch haben viele der Sänger eine Vergangenheit in Kinder- und Jugendchören oder befinden sich in einer Musikausbildung.

Entsprechend hohe Ansprüche stellt der Chor ans Repertoire.

Regelmässig vergeben die Männerstimmen Kompositionsaufträge an einen bekannten zeitgenössischen Komponisten (Gion Antoni Derungs, Hans Martin Linde, Javier Hagen), graben Unbekanntes und längst Vergessenes wieder aus und scheuen keine Herausforderung.

 

Dazu gehören auch die gemeinsamen Reisen. Als Erfahrungsschatz fördern sie den Zusammenhalt des Chores und lassen die unterschiedlichsten Persönlichkeiten und Charaktere zusammenfinden. Bislang durfte der Chor alle Regionen Europas und die USA besuchen, andere Chöre treffen, fremde Gesangstraditionen kennenlernen und so den eigenen Horizont für neue Experimente öffnen.

 

Hinzu kommt diese eigene Ästhetik, die sich im virtuosen Umgang mit modernen Bildwelten zeigt. Gekonnt zitiert der Chor das klassische Männerchorbild und bricht es zugleich auf, indem er neue Wege in der Form der Konzerte und in der Auswahl des Repertoires geht.

Für das Projekt «tøngedrøhn - eine Klang und Bildexpedition» wanderte der Chor durch den Schweizer Jura, ganz im Stile singender Wandergesellen, produzierte daraus einen Film und stimmte das Repertoire auf die Bilder ab.

In «pílagrímr» reisten die Männerstimmen zusammen mit ihrem Publikum als Pilger durch die Jahrhunderte und nutzten sämtliche Winkel des monumentalen Basler Münsters in einer ausgefeilten und stimmigen Inszenierung. Über 1500 Besucher an einem Abend sahen dieses Spektakel.

 

In Zusammenarbeit mit der Basler Brauerei Ueli Bier veranstalten die Männerstimmen mittlerweile jedes Jahr ein «Amuse Bouche», bei dem der Chor natürlich singt, darüber hinaus aber ein eigens für den Anlass kreiertes Menü serviert. Für einmal stehen hier Essen und Trinken im Vordergrund.

 

Vier CD’s der Männerstimmen gibt es inzwischen zu kaufen. Tonträger 1+2, Volkhorn und die im Oktober 2016 erschienene pílagrímr mit Pilgergesängen vom 13. Jahrhundert bis heute. All dies lässt sich nur mit einem grossen persönlichen Einsatz jedes einzelnen Sängers erreichen.

Kaum ein Sänger hat nicht noch eine zusätzliche Aufgabe im Chor und wie in den Sängerbünden und Werkschören des 19. Jahrhunderts, demonstrieren die Männerstimmen Basel einen vielleicht altmodischen Begriff der Zusammengehörigkeit, jedoch heutig und weitaus moderner, als man bei der modrigen Kleidung vermuten würde.